Brettener zeigen weiter viel Solidarität

Beim DRK in der Melanchthonstadt laufen die Fäden zusammen – auch zum Schutz vor missbräuchlichem Wiederverkauf

Bretten. Die Solidarität in Bretten wächst. „Bemerkenswert“, sagt Bernhard Brenner, Leiter des Polizeireviers Bretten. Für die Arbeit seiner Kollegen kann er vom Glück funktionierender polizeiinterner Versorgungsketten berichten – anders als andernorts. Für Betina Laboranovits waren beispielsweise die Verstorbenen im Neibsheimer Pflegeheim „ein echter Schock“. Seitdem fertigt sie in acht Stunden 50 Mund-Nasen-Abdeckungen. Diese Woche seien es 100 Stück, letzte Woche waren es 250. „Ich nähe, solange die Nachfrage hält“, sagt die Inhaberin des Brettener Geschäfts „Die Hutschmiede“ – gratis und aktuell für die Feuerwehr. Derzeit fehle ja bei geschlossenem Geschäft die Kundschaft. Ihr Mann, ebenfalls zuhause, helfe ihr. Ihre Werke können dank eines eingenähten Drahts am oberen Rand individuell und eng angelegt werden. Die Vereinigung Altbrettheim sponsert ihr den Baumwollstoff, waschbar bei 60 Grad. Peter Dick, VAB-Vorsitzender vermittelte die Kontakte.

Im Gewerbegebiet in Gölshausen läuft derweil ein 3D-Industrie-Drucker. Peter Steiner, Geschäftsführer der Firma Lindörfer + Steiner erwägt, ein Spritz-Guss-Werkzeug für den Druck von Schutzvisieren fertigen zu lassen. Dann könne man anstelle von acht Visieren täglich hunderte produzieren. Auch der Brettener Arno Rath nutzt seinen Geschäfts-3D-Drucker. 13 Ring-Halterungen für Visiere hat er ans DRK Bretten geliefert, 50 folgen diese Woche. Beim Roten Kreuz Bretten laufen die Fäden zusammen und die Drähte heiß. Nachdem die Brettener Nachrichten vergangene Woche über das Engagement von Bereitschaftsleiter Christof Glück und seinem Team berichteten, meldeten sich viele. Unter ihnen Firmenchef Steiner. Und dieser wickelt die Verteilung der Visiere aus seiner Fertigung nur über das DRK ab. „Schon um Käufer auszuschließen, die unsere Visiere nur zum Wiederverkauf erwerben wollen.“ Normalerweise fertigt sein Firmen-Drucker Ladungsträger für Automobilteile oder Verpackungsmaterial. Auch habe er noch Folie für etwa vier Wochen auf Lager für die Visierscheiben. Auf dem Markt ist diese so wenig erhältlich wie Gummibänder zur Befestigung. Steiner erkundigte sich, was ein neues 3D-Druck-Werkzeug kostet. „Es muss eigens gefräst werden vom Werkzeugmacher.“ Was sonst bis zu acht Wochen dauere, könne momentan in vier da sein und koste wohl bis zu 10.000 Euro. Er wartet die Entwicklung noch etwas ab, will aber von den Kosten nicht sprechen. „Wir haben derzeit alle dasselbe Ziel.“

An Visieren hat die Feuerwehr ebenso Bedarf wie an Mund-Nasen-Abdeckungen. Denn 300 Kräfte sind in Bretten und seinen Ortsteilen im Einsatz. Die Stoff-Abdeckungen verringerten das Risiko, selbst jemanden zu infizieren. „Wir sitzen schon mal dicht zusammen im Fahrzeug“, so Kommandant Oliver Haas. „Pro Person zwei Mund-Nasen-Masken zu haben ist optimal, damit immer eine in die Wäsche kann.“ Vor allem aber wüssten sie „nie, wen wir vor uns haben, wenn wir Türen öffnen oder Unfallwracks aufschneiden“ – und mit welchen Körperflüssigkeiten sie in Berührung kommen können.

Darum, so Haas, seien auch Visiere wichtig. „Noch mussten wir keinen Infizierten retten. Und wir hoffen sehr, dass solche Groß-Szenarien nicht kommen, in denen wir beispielsweise viele Infizierte umbetten müssten.“ Auch dazu könnte die Feuerwehrleute unter Umständen gerufen werden – Umstände, die niemand wünscht.

Schutzvisiere, wie sie DRK-Helfer Marius Lang (links) trägt und Mund-Nasen-Abdeckungen, wie sie Lenhard Bader nutzt (rechts, ebenfalls DRK-Helfer), sind stark nachgefragt. Aber immer mehr Brettener helfen bei deren Herstellung. Foto: Somorai

Quelle: BNN vom 07.04.2020

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